Dark Stores: was sie sind, worin sie sich vom Lager unterscheiden und wie viele Bestellungen am Tag sie für die Gewinnschwelle brauchen

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  • 5 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis
  1. Wann man wissen will, was Dark Stores sind
  2. Wie ein Dark Store arbeitet
  3. Worin sich ein Dark Store von Lager, Laden und Fulfillment unterscheidet
  4. Darf ein Dark Store in Deutschland sonntags arbeiten?
  5. Was ein Dark Store verdient: eine Bestellung in Zahlen
  6. Wie viele Bestellungen am Tag ein Dark Store für die Gewinnschwelle braucht
  7. Für welche Onlineshops ein Dark Store passt
  8. Risiken eines Dark Stores
  9. Wenn es mehrere Standorte gibt: eigener Bestand für jeden
  10. Häufige Fragen
  11. Quellen

Ein Dark Store ist ein Laden, der für Kunden geschlossen ist: Die Ware steht in Regalen wie im Supermarkt, aber nur Mitarbeiter nehmen sie heraus und kommissionieren Online-Bestellungen für die schnelle Lieferung oder Abholung. Dark Stores liegen in Wohnvierteln nahe bei den Kunden, deshalb kommt eine Bestellung in einer Stunde oder in wenigen Minuten an, nicht in ein bis zwei Tagen. Sie sind die Grundlage von Quick Commerce (Q-Commerce), der Blitzlieferung von Einkäufen.

Das Format lohnt sich nur bei einem dichten Strom von Bestellungen auf kleiner Fläche: Miete in der Stadt und ein Kurier für jede Bestellung kosten Geld. Unten liest du, wie ein Dark Store arbeitet, worin er sich von Lager, Laden und Fulfillment-Center unterscheidet, was Ladenschluss- und Arbeitszeitrecht in Deutschland für die Sonntagsarbeit bedeuten, wie sich eine Bestellung rechnet und ob ein Onlineshop, der Pakete per DHL oder DPD durch ganz Deutschland schickt, das Format überhaupt braucht.

Wann man wissen will, was Dark Stores sind

Meist hat jemand von Lebensmitteln in 15 Minuten gelesen, eine Stellenanzeige für „Picker im Dark Store“ gesehen oder im eigenen Viertel ein Ladenlokal mit zugeklebten Scheiben und Kurieren vor der Tür bemerkt. Der Inhaber eines Onlineshops kommt mit einer anderen Frage: Der Absatz in einer Stadt wächst, Kunden fragen nach Lieferung am selben Tag, und es entsteht die Idee, einen Teil der Ware näher an sie heranzubringen. Er sucht „dark stores“ und „dark store konzept“ und fragt dann: „Worin unterscheidet sich ein Dark Store von einem Lager?“, „Darf ein Dark Store sonntags arbeiten?“, „Was verdient ein Dark Store?“.

Die letzte Frage ist die wichtigste, und die Antwort hängt nicht vom Trend ab, sondern von der Zahl der Bestellungen pro Tag im Liefergebiet.

Nicht verwechseln: Darkstore ist in Deutschland auch der Name eines Gothic-Shops in Berlin. Mit dem Handelsformat Dark Store hat er nichts zu tun.

Wie ein Dark Store arbeitet

Eine Bestellung aus Website oder App geht sofort an einen Kommissionierer, der durch die Regale geht und die Ware packt; ein Kurier bringt sie dem Kunden im Umkreis von wenigen Kilometern. Weil drinnen keine Kunden sind, werden die Regale für schnelles Kommissionieren eingeräumt, nicht für die Präsentation.

Ablauf im Dark Store: Bestellung auf dem Smartphone, Kommissionierung am Regal, Kurier auf dem Roller, Tüte an der Haustür
  1. Bestellung. Der Kunde sieht nur Ware, die in genau diesem Dark Store liegt, deshalb muss sich der Bestand auf der Website ohne Verzögerung aktualisieren.
  2. Kommissionierung. Ein Mitarbeiter sammelt die Ware nach Liste; die meistgekauften Artikel stehen am nächsten an der Ausgabe.
  3. Kurier. Zu Fuß, mit Fahrrad, Roller oder Auto; der Radius beträgt wenige Kilometer, damit die versprochene Zeit hält.
  4. Kunde. Er nimmt die Bestellung zu Hause oder an einem Abholpunkt entgegen.

In Europa wuchs das Format mit Start-ups für Lebensmittellieferung, und der Markt hat sich schnell konsolidiert. Am 9. Dezember 2022 schloss das türkische Unternehmen Getir die Übernahme des Berliner Konkurrenten Gorillas für rund 1,2 Mrd. US-Dollar ab, weniger als die Hälfte dessen, was Gorillas ein Jahr zuvor wert war. Am 29. April 2024 kündigte Getir den Rückzug aus Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden an, um sich auf die Türkei zu konzentrieren; laut Unternehmen brachte das Geschäft außerhalb der Türkei nur 7 % des Umsatzes.

Worin sich ein Dark Store von Lager, Laden und Fulfillment unterscheidet

Durch Standort und Tempo: Ein Lager steht dort, wo die Miete günstig ist, und verschickt Pakete per Paketdienst ins ganze Land; ein Dark Store steht neben den Kunden und liefert innerhalb von Stunden. Vom Laden unterscheidet er sich dadurch, dass er keine Kunden hereinlässt.

Drei Gebäude: Lager weit draußen mit Transporter, Dark Store im Viertel ohne Kunden, Laden mit offener Tür und Kunden
Lager, Dark Store, Laden und Fulfillment-Center
FormatWo es stehtKunden drinnenWer kommissioniertLieferung
Lageram Stadtrand, im GewerbegebietneinLagermitarbeiterPaketdienst oder Packstation, ab einem Tag
Dark Storeim WohnviertelneinKommissionierereigene Kuriere, in Stunden oder Minuten
Ladendort, wo Kunden unterwegs sindjader Kunde selbstKunde nimmt mit; Online-Bestellungen zusätzlich
Fulfillment-Centeram StadtrandneinMitarbeiter des Dienstleisters, für viele HändlerPaketdienst oder Packstation, ab einem Tag

In der Gastronomie gibt es ein ähnliches Format, die Dark Kitchen (Ghost Kitchen): eine Küche ohne Gastraum, die nur für die Lieferung kocht. Die Logik ist dieselbe: Du zahlst für Tempo und Nähe zum Kunden, nicht für ein Schaufenster.

Darf ein Dark Store in Deutschland sonntags arbeiten?

Eine eigene Regel für Dark Stores gibt es nicht. Die Antwort setzt sich aus zwei Rechtsgebieten zusammen: dem Ladenschlussrecht, das die Öffnung für Kunden regelt, und dem Arbeitszeitgesetz, das regelt, ob Mitarbeiter sonntags arbeiten dürfen.

  • Ladenschluss ist Ländersache. Seit der Änderung des Grundgesetzes ist das „Recht des Ladenschlusses“ von der Gesetzgebung des Bundes ausgenommen (Art. 74 Abs. 1 Nr. 11 GG). Die Länder regeln die Öffnungszeiten in eigenen Gesetzen; wo ein Land keines erlassen hat, gilt das Ladenschlussgesetz des Bundes fort (Art. 125a Abs. 1 GG). Es schreibt vor, dass Verkaufsstellen sonn- und feiertags für den Verkehr mit Kunden geschlossen sind (§ 3 LadSchlG). Verkaufsstellen sind dort Ladengeschäfte und ähnliche Einrichtungen, in denen Waren „an jedermann feilgehalten“ werden (§ 1 LadSchlG). Ob ein Raum ohne Kundenzutritt darunter fällt, sagt das Gesetz nicht ausdrücklich.
  • Sonntagsarbeit regelt das Arbeitszeitgesetz. Arbeitnehmer dürfen an Sonn- und Feiertagen von 0 bis 24 Uhr nicht beschäftigt werden (§ 9 ArbZG). Ausnahmen zählt § 10 ArbZG auf, darunter „das Kommissionieren von leichtverderblichen Waren“ im Sinne der Straßenverkehrs-Ordnung, aber nur, wenn die Arbeit nicht an Werktagen erledigt werden kann. Weitere Ausnahmen kann die Aufsichtsbehörde bewilligen (§ 13 ArbZG).

Für die Planung heißt das: Ob dein Dark Store sonntags kommissionieren darf, hängt vom Bundesland, vom Sortiment und von einer Bewilligung ab. Kläre das mit der zuständigen Arbeitsschutzbehörde deines Landes, bevor du den Mietvertrag unterschreibst. Österreich und die Schweiz haben eigene Regeln, die dieser Artikel nicht behandelt.

Was ein Dark Store verdient: eine Bestellung in Zahlen

Ein Dark Store lohnt sich, wenn die Marge aus einem Monat Bestellungen Miete und Löhne deckt; die einzelne Bestellung lässt wenig übrig, weil du Kurier und Kommissionierung jedes Mal bezahlst. Zerleg eine Bestellung von oben nach unten.

Rechenbeispiel zur Veranschaulichung, die Zahlen sind keine Marktpreise. Eine durchschnittliche Bestellung kostet 40 €, der Wareneinsatz beträgt 28 € (Bruttomarge 30 %). Pro Bestellung kommen dazu: Kurier 4,50 €, Kommissionierung 1,50 €, Schwund durch abgelaufene und beschädigte Ware 0,75 €, Tüte 0,25 €.

Eine Bestellung im Dark Store (Beispielzahlen)
PostenBetrag, €
Bestellwert40,00
Wareneinsatz−28,00
Kurier−4,50
Kommissionierung−1,50
Schwund−0,75
Tüte−0,25
Bleibt für Miete, Löhne und Gewinn5,00
Wohin eine Bestellung über 40 € geht: Ware 28, Kurier 4,50, Kommissionierung 1,50, Schwund 0,75, Tüte 0,25, es bleiben 5 €

Von 40 € bleiben 5 € für die Fixkosten, also 12,5 %. Der Kurier nimmt fast so viel, wie der Dark Store an der Bestellung verdient. Warenkorbwert und Dichte der Bestellungen zählen deshalb mehr als die Miete.

Wie viele Bestellungen am Tag ein Dark Store für die Gewinnschwelle braucht

Teile die monatlichen Fixkosten durch das, was von einer Bestellung übrig bleibt. Das Ergebnis ist der Break-even-Punkt.

Break-even, Bestellungen pro Monat = Fixkosten pro Monat / (Bestellwert − Wareneinsatz − variable Kosten pro Bestellung)
Beispiel: 9.000 / (40 − 28 − 7) = 9.000 / 5 = 1.800 Bestellungen im Monat, also 60 pro Tag bei 30 Arbeitstagen.

Im Beispiel betragen die Fixkosten 9.000 € im Monat: Miete für ein Ladenlokal im Wohnviertel, Nebenkosten, Sicherheit, Gehalt der Schichtleitung. Unter 60 Bestellungen am Tag macht der Dark Store Verlust, darüber bringt jede Bestellung 5 € Gewinn.

Gewinnschwelle bei 60 Bestellungen pro Tag: links davon Verlust, rechts Gewinn
Gewinn eines Dark Stores im Monat (Beispielzahlen)
Bestellungen pro TagPro MonatMarge aus Bestellungen, €Fixkosten, €Gewinn, €
401.2006.0009.000−3.000
601.8009.0009.0000
1003.00015.0009.0006.000

Am Anfang kommen meist weniger Bestellungen als geplant, bis sich das Viertel ans Bestellen gewöhnt hat, also plane die ersten Monate mit Verlust. Auch die Zahl der Arbeitstage ist eine Annahme: Darfst du sonntags nicht kommissionieren, verteilen sich dieselben 1.800 Bestellungen auf weniger Tage. Die Formel an weiteren Beispielen steht im Artikel Break-even-Point berechnen, die Marge einer einzelnen Bestellung rechnest du im Margenrechner.

Für welche Onlineshops ein Dark Store passt

Für wenige: für die, die viele Bestellungen in einer Stadt haben und Kunden, die für Lieferung am selben Tag zahlen. Ein Shop, der Pakete per Paketdienst oder an Packstationen in ganz Deutschland verschickt, braucht keinen Dark Store, ihm reicht ein Lager.

Wann ein Dark Store sinnvoll ist
MerkmalPasstPasst nicht
Woher die Bestellungen kommenDutzende am Tag aus einer Stadt, aus wenigen Viertelnaus dem ganzen Land, ein paar pro Stadt
Warehäufige Käufe: Lebensmittel, Drogerie, Baby- und Tierbedarfseltene Käufe, Sperrgut, lange Kaufentscheidung
Dringlichkeitder Kunde braucht es heuteder Kunde wartet entspannt 1–2 Tage
Bestellwertdeckt Kurier und Kommissionierung mit Reserveniedriger als die Kosten der Kurierfahrt
Was du schon hasteinen Abholpunkt in der Stadt, den du für Kunden schließen kannstnur ein Lager am Stadtrand

Der erste Schritt kann kleiner sein als ein ganzer Dark Store: ein Teil der schnell drehenden Ware an einem bestehenden Standort in der Stadt und Kurierlieferung im eigenen Viertel. Das zeigt die echte Nachfrage, bevor du ein eigenes Ladenlokal mietest. Welche Ware am schnellsten dreht, beschreibt der Artikel FMCG: Bedeutung und Beispiele.

Risiken eines Dark Stores

  • Zu wenige Bestellungen im Radius. Miete und Löhne sind bei 20 und bei 100 Bestellungen am Tag gleich, jede fehlende Bestellung geht direkt in den Verlust.
  • Ware, die fehlt. Die Website zeigt das eine, im Regal liegt das andere; Ersatzartikel und Stornos verderben Wiederkäufe.
  • Schwund. Lebensmittel mit kurzem Mindesthaltbarkeitsdatum verderben schneller, als sie sich verkaufen, wenn die Nachfrage schwach ist.
  • Sonntage. Ohne Ausnahme oder Bewilligung dürfen Mitarbeiter sonntags nicht arbeiten, siehe Sonntagsarbeit.
  • Nachbarn und Stadt. Kuriere vor der Tür und Lärm in einer Wohnstraße führen zu Beschwerden. Im Januar 2022 stoppte Amsterdam neue Dark Stores in Wohnvierteln nach Beschwerden über Lärm und Verkehr.

Wenn es mehrere Standorte gibt: eigener Bestand für jeden

Sobald ein zweiter Standort dazukommt, muss die Website zeigen, was genau dort liegt, und die Bestellung muss die Ware in dem Lager reservieren, aus dem sie kommissioniert wird. Ein einziger Bestand „für den ganzen Shop“ führt Kunden in die Irre.

In Elbuz führst du mehrere Lager, jedes mit eigenem Bestand, eigenen Preisen und eigener Bewegungshistorie; ein bestätigter Auftrag reserviert die Ware, und du siehst vorab den verfügbaren Bestand. Bestände und Preise der Lager gehen in den Katalog und auf die Website deines Shops. Die eigene Kurierlieferung ersetzt Elbuz nicht, das ist Aufgabe eines Lieferdienstes oder deiner Kuriere. Wie Aufträge, Reservierung und Versand zusammenarbeiten, zeigt die Seite Auftragsverwaltung.

Aufträge und Bestände nach Lager in ElbuzReservierung und verfügbarer Bestand für jeden Standort

Häufige Fragen

Was sind Dark Stores, einfach erklärt?

Läden, die Kunden nicht betreten: Mitarbeiter kommissionieren dort Online-Bestellungen, und Kuriere bringen sie schnell zu Kunden in der Umgebung.

Worin unterscheidet sich ein Dark Store von einem Lager?

Durch Standort und Tempo. Ein Lager steht am Stadtrand und verschickt Pakete per Paketdienst ab einem Tag, ein Dark Store steht im Wohnviertel und liefert mit eigenen Kurieren in Stunden oder Minuten.

Warum heißt er „Dark Store“?

Weil er innen wie ein Laden aussieht, für Kunden aber „dunkel“ ist: Es gibt keinen offenen Verkaufsraum, nur Mitarbeiter, die Bestellungen kommissionieren.

Kann man in einem Dark Store vor Ort einkaufen?

Nein, ein klassischer Dark Store hat keinen Verkaufsraum. Manche haben einen Abholpunkt für die eigene Online-Bestellung.

Darf ein Dark Store sonntags arbeiten?

Das hängt vom Bundesland, vom Sortiment und von einer Bewilligung ab. Grundsätzlich dürfen Arbeitnehmer sonntags nicht beschäftigt werden (§ 9 ArbZG); eine der Ausnahmen ist das Kommissionieren leichtverderblicher Waren (§ 10 ArbZG). Kläre es vor dem Start mit der Arbeitsschutzbehörde deines Landes.

Was ist eine Dark Kitchen?

Eine Küche ohne Gastraum, die nur für die Lieferung kocht, auch Ghost Kitchen genannt. Dieselbe Idee wie beim Dark Store, nur in der Gastronomie.

Wie eröffnet man einen Dark Store?

Fang mit den Daten deiner Bestellungen an: wie viele aus einer Stadt kommen und aus welchen Vierteln. Sind es Dutzende am Tag, teste die Nachfrage mit Lieferung von einem bestehenden Standort, rechne den Break-even und miete erst dann ein eigenes Lokal.

Quellen

Geprüft am 01.11.2026. Die Rechnungen im Artikel sind Beispiele zur Veranschaulichung.

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