Produktrecherche: fünf Tests und eine Margenrechnung für jedes Produkt

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Inhaltsverzeichnis
  1. Wann man mit der Produktrecherche anfängt
  2. Was sich online verkauft: Onlineanteile je Branche laut HDE
  3. Fünf Tests für jede Produktkategorie
  4. Nachfrage prüfen: Google Trends und Marktplatzsuche
  5. Was nach Gebühr, Versand und Retouren bleibt
  6. Retouren und Paketmaß: wo die Marge verschwindet
  7. Wie du den Wettbewerb einschätzt
  8. Punktetabelle: fiktives Beispiel mit drei Kategorien
  9. Kategorie gewählt: Amazon und Kaufland aus einem Katalog
  10. Häufige Fragen
  11. Quellen

Produktrecherche heißt: Kandidaten sammeln und jeden durch fünf Tests schicken – stabile Nachfrage, Marge nach Marktplatzgebühr und Versand, wenige Retouren, kleines Paketmaß und ein Wettbewerb, gegen den du etwas in der Hand hast. Eine fertige Liste „was sich am besten verkauft“, die für jeden funktioniert, gibt es nicht: Dasselbe Produkt bringt dem einen Händler Gewinn und dem anderen Verlust, wegen Einkaufspreis, Versand und Retouren.

Bestsellerlisten und Recherche-Tools zeigen, wo schon viele Händler verkaufen, aber nicht, was dir am Ende bleibt. Unten findest du, was die Zahlen des HDE Online-Monitors über die Branchen im Onlinehandel sagen, die fünf Tests der Reihe nach, wie du die Nachfrage mit Google Trends und der Marktplatzsuche prüfst, eine Margenrechnung an einem fiktiven Produkt und eine Punktetabelle, in der drei Kandidaten-Kategorien gegeneinander antreten.

Wann man mit der Produktrecherche anfängt

Meist steht die Entscheidung schon: Du willst auf Amazon, eBay, Kaufland oder im eigenen Shop verkaufen, aber das Produkt fehlt noch. Gesucht wird dann „Produktrecherche“, „Produktrecherche Amazon“ oder „was online verkaufen“, und gefunden werden Listen mit „den besten Tools“ und Bestsellern von gestern. Danach kommen Fragen wie „welche Nische hat wenig Konkurrenz“ und „was verkauft sich gerade gut“.

„Was verkauft sich am besten?“ ist hier die falsche Frage: Die Antwort sind Kategorien mit den meisten Händlern und der dünnsten Marge. Die richtige Frage lautet: „Was davon verkaufe ich mit Gewinn?“ Darauf antworten die Tests unten.

Was sich online verkauft: Onlineanteile je Branche laut HDE

Am stärksten online sind CE/Elektro und Fashion & Accessoires: 2025 lief dort mehr als 44 % des gesamten Branchenumsatzes über den Onlinehandel. Auch Büro & Schreibwaren und Freizeit & Hobby liegen über einem Drittel. Am schnellsten wächst der Onlinehandel mit FMCG – Lebensmitteln, Kosmetik und Drogeriewaren –, ihr Onlineanteil bleibt aber der niedrigste.

Onlineanteil am Gesamtmarkt je Branche, Deutschland 2025 (HDE Online-Monitor 2026)
BrancheOnlineanteil, %Onlineumsatz 2024–25, %
CE/Elektro45,1+2,9
Fashion & Accessoires44,2+2,8
Büro & Schreibwaren38,9+2,4
Freizeit & Hobby37,6+2,9
Schmuck & Uhren24,3+3,1
Wohnen & Einrichten21,6+1,8
Gesundheit & Wellness17,5+4,9
Heimwerken & Garten7,6+2,1
FMCG4,9+10,4
Einzelhandel gesamt13,5+3,9

Die Zahlen sind Nettoumsätze im B2C-Handel mit Neuware, bereinigt um Retouren; erhoben hat sie das IFH Köln für den HDE. Insgesamt setzte der Onlinehandel 2025 92,3 Mrd. Euro um. Ein hoher Onlineanteil heißt: Kunden sind es gewohnt, diese Waren online zu kaufen – und es gibt dort auch die meisten Anbieter. Amazon, eBay und Kaufland veröffentlichen keine Rangliste der Kategorien, auf die man sich berufen könnte. Nimm die Tabelle deshalb als Landkarte des Marktes, nicht als Einkaufsliste. Das Produkt wählst du mit den Tests unten.

Fünf Tests für jede Produktkategorie

Jeder Test sortiert einen Teil der Ideen aus, in den Verkauf geht die Kategorie, die alle fünf besteht. Die Reihenfolge zählt: zuerst Nachfrage und Marge, denn ohne sie spielt der Rest keine Rolle.

  1. Nachfrage. Das Produkt wird das ganze Jahr gesucht oder in einer vorhersehbaren Saison. Warnsignal: ein einziger steiler Anstieg und danach der Absturz.
  2. Marge. Nach Einkauf, Marktplatzgebühr, Versand und Retouren bleibt Geld übrig. Warnsignal: ein billiges Produkt, bei dem Gebühr und Versand den ganzen Aufschlag fressen.
  3. Retouren. Das Produkt kommt selten zurück. Warnsignal: Größen, Farbe „wie auf dem Foto“, komplizierte Elektronik, Zerbrechliches.
  4. Größe. Das Produkt ist leicht und passt in ein Standardpaket. Warnsignal: Der Versand kostet ein Viertel des Preises.
  5. Wettbewerb. Du hast etwas, womit du dich abhebst: Preis, Lagerbestand, schneller Versand, ein Set. Warnsignal: Dutzende Händler mit demselben Produkt zum selben Preis.
Fünf Tests für eine Kategorie: Nachfrage, Marge, Retouren, Größe, Wettbewerb – ein Produkt besteht

Nachfrage prüfen: Google Trends und Marktplatzsuche

Die Nachfrage prüfst du auf zwei Wegen: Google Trends zeigt, wie sich das Interesse an einem Produkt übers Jahr verändert, die Suchvorschläge auf Amazon und eBay zeigen, wie Käufer wirklich danach suchen.

Google Trends. Wähle das Land Deutschland, den Zeitraum 12 Monate oder 5 Jahre und gib den Produktnamen so ein, wie Käufer ihn schreiben. Die Zahlen im Diagramm sind relativ: Jeder Punkt ist der Anteil der Suchen nach dem Produkt an allen Suchen, skaliert auf 0 bis 100, keine Zahl von Suchanfragen. Vergleiche deshalb zwei oder drei Kandidaten in einem Diagramm – du siehst, wer häufiger gesucht wird und wessen Nachfrage stabiler ist.

Diagramm über 12 Monate: stabile Nachfrage als gleichmäßige Welle, Saisonspitze einmal im Jahr

Eine gleichmäßige Welle ist stabile Nachfrage: Das Produkt verkauft sich das ganze Jahr, die Ware liegt nicht. Eine steile Spitze einmal im Jahr ist ein Saisonprodukt: Verkaufen kannst du es, aber Einkauf und Werbung planst du für wenige Wochen, außerhalb der Saison wird es still.

Marktplatzsuche. Tippe den Produktnamen in die Suche von Amazon oder eBay und sieh dir die Vorschläge an: Sie zeigen, welche Varianten und Merkmale am häufigsten gesucht werden. Öffne dann die ersten Angebote und zähle, wie viele Händler dasselbe Produkt haben, zu welchen Preisen und mit wie vielen Bewertungen. Auf eBay geht es genauer: Die Produktrecherche (früher Terapeak) im Verkäufer-Cockpit Pro zeigt verkaufte Artikel und erzielte Preise und ist für Verkäufer kostenlos.

Was nach Gebühr, Versand und Retouren bleibt

Es bleibt der Preis minus Einkauf, Marktplatzgebühr, Versand mit Verpackung und Retourenkosten – und dieser Betrag, nicht der Aufschlag, sagt dir, ob sich eine Kategorie lohnt.

Bleibt pro Bestellung = Preis − Einkauf − Marktplatzgebühr − Versand und Verpackung − Retouren pro Bestellung.

Rechenbeispiel mit fiktiven Werten, keine Marktpreise; alle Beträge netto, ohne Umsatzsteuer. Du kaufst ein Produkt für 36 € ein und verkaufst es für 60 €. Die Marktplatzgebühr liegt im Beispiel bei 12 %, also 7,20 €. Versand mit Verpackung zahlst du: 4 €. Jede zehnte Bestellung kommt zurück, und jede Retoure kostet dich 30 € – Versand hin und zurück und ein Preisnachlass beim Wiederverkauf –, also 3 € pro Bestellung.

Kompaktes und sperriges Produkt zum selben Preis (fiktive Werte, €)
PositionKompaktSperrig
Preis60,0060,00
Einkauf−36,00−36,00
Marktplatzgebühr 12 %−7,20−7,20
Versand und Verpackung−4,00−15,00
Retouren pro Bestellung−3,00−3,00
Bleibt9,80−1,20
Preis 60 €: Einkauf 36, Gebühr 7,20, Versand 4, Retouren 3, dir bleiben 9,80 €

Der Aufschlag von 24 € ist in beiden Fällen gleich, aber das kompakte Produkt lässt dir 9,80 € pro Bestellung, das sperrige verliert 1,20 €. Die Gebühr hängt bei jedem Marktplatz von Kategorie und Preis ab – deine rechnest du im eBay-Gebührenrechner aus, die Versandkosten nimmst du aus der Preisliste des Paketdienstes nach Gewicht und Maßen. Wie du die Gebühr in den Preis einbaust, zeigt der Artikel Aufschlag berechnen.

Retouren und Paketmaß: wo die Marge verschwindet

Am häufigsten kommen Kleidung und Schuhe wegen der Größe zurück, Waren, deren Farbe oder Material „nicht wie auf dem Foto“ ist, komplizierte Elektronik, mit der der Käufer nicht klarkommt, und Zerbrechliches, das unterwegs kaputtgeht. Jedes Mal zahlst du Versand und verkaufst die Ware danach oft billiger. Dieses Risiko steckt im Gesetz: Verbraucher können einen online geschlossenen Vertrag 14 Tage lang ohne Begründung widerrufen (§ 355 BGB).

  • Bevor du eine Kategorie wählst, frag den Großhändler, welche Produkte darin am häufigsten zurückkommen und ob er Retouren zurücknimmt.
  • Das Paketmaß rechnest du mit der Preisliste des Paketdienstes, nicht nach Gefühl: Ein Produkt, das über das Standardpaket hinausgeht, kostet als Sperrgut deutlich mehr.
  • Zerbrechliches und Großes lohnt sich nur, wenn die Marge Versand und Bruch zusammen trägt.

Wie du den Wettbewerb einschätzt

Den Wettbewerb siehst du in den Suchergebnissen: wie viele Händler dasselbe Modell anbieten und wie stark ihre Preise auseinanderliegen. Viele Händler mit gleichen Preisen heißt: Du konkurrierst nur über den Preis und gibst Marge ab.

Such einen Weg, dich ohne Preissenkung abzuheben: Ware auf Lager, wenn andere „auf Bestellung“ liefern; Versand am selben Tag; ein Set, das andere nicht haben; gute Fotos und Beschreibung, wo die Konkurrenz nur das Herstellerbild zeigt. Kannst du nichts davon bieten, ist die Kategorie nichts für dich, auch bei hoher Nachfrage.

Punktetabelle: fiktives Beispiel mit drei Kategorien

Gib jeder Kandidaten-Kategorie für jeden Test 1 bis 3 Punkte und zähle zusammen: Höchstwert ist 15. Nimm die Kategorie mit der höchsten Summe, aber ohne eine einzige „1“ bei Nachfrage oder Marge.

Fiktives Beispiel: Kategorien und Punkte sind erfunden, um die Methode zu zeigen. A – kleines Zubehör mit stabiler Nachfrage. B – Saisonkleidung mit Größentabelle. C – ein Nischenprodukt mit hoher Marge, aber groß.

Bewertung von drei Kandidaten-Kategorien (fiktive Punkte)
TestABC
Nachfrage322
Marge223
Retouren312
Größe321
Wettbewerb223
Summe13911
Drei Kandidaten-Kategorien: A gewinnt mit 13 von 15, B 9 von 15, C 11 von 15

Kategorie A gewinnt nicht durch hohe Marge, sondern weil sie bei keinem Test durchfällt. B verliert bei den Retouren: Die Größentabelle macht aus jedem zehnten oder sogar jedem fünften Paket eine Rücksendung. Für C lohnt sich eine eigene Versandrechnung: Die hohe Marge kann das Paketmaß tragen – oder auch nicht.

Besteht eine Kategorie die Tests auf dem Papier, prüf sie mit einer kleinen Charge oder per Dropshipping, ohne Ware auf Lager zu kaufen: Die Bestellung verschickt der Großhändler, und du siehst Nachfrage und Retouren am echten Verkauf. Wie du Lieferanten findest und prüfst, steht im Artikel Dropshipping-Lieferanten finden, wie du auf einem Marktplatz startest, in Verkaufen bei eBay.

Kategorie gewählt: Amazon und Kaufland aus einem Katalog

Hat die Kategorie die Tests bestanden, kommt die nächste Frage: wie du Hunderte Produkte des Großhändlers auf Amazon und Kaufland einstellst und mit Preisen und Beständen des Lieferanten Schritt hältst.

Das erledigt Elbuz: Es übernimmt Preislisten und Feeds der Lieferanten in einen Katalog, berechnet deine Preise nach Aufschlagsregeln, stellt die Angebote auf Amazon und Kaufland ein, gleicht Preise und Bestände nach Zeitplan ab und holt die Bestellungen der Marktplätze in eine Auftragsliste. Details stehen auf den Seiten Amazon-Schnittstelle und Kaufland-Schnittstelle. Für wen sich das nicht lohnt: Testest du eine Kategorie mit ein paar Dutzend Produkten auf einem Marktplatz, reicht das Verkäuferkonto des Marktplatzes.

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Häufige Fragen

Wie mache ich eine Produktrecherche?

Sammle Kandidaten aus Google Trends, Marktplatzsuche und Bestsellerlisten und schick jeden durch fünf Tests: Nachfrage, Marge nach Gebühr und Versand, Retouren, Paketmaß und Wettbewerb. Die Reihenfolge steht bei den Tests.

Was verkauft sich online am besten?

Laut HDE Online-Monitor hatten 2025 CE/Elektro (45,1 %) und Fashion & Accessoires (44,2 %) den höchsten Onlineanteil am Branchenumsatz. Am besten verkaufst du aber, was dir nach Gebühr, Versand und Retouren Geld lässt – rechne das mit der Formel im Abschnitt zur Marge.

Welche Tools gibt es für die Produktrecherche auf eBay?

eBay hat ein eigenes: die Produktrecherche (früher Terapeak) im Verkäufer-Cockpit Pro, für Verkäufer kostenlos. Sie zeigt verkaufte Artikel und erzielte Preise; die Marge rechnest du trotzdem selbst.

Was verkauft sich gerade gut?

Eine allgemeine Liste gibt es nicht: Die Nachfrage in Deutschland siehst du in Google Trends und in den Suchvorschlägen der Marktplätze. Vergleiche Kandidaten in einem Diagramm über 12 Monate und nimm den mit der stabileren Nachfrage.

Welche Produkte werden immer gekauft?

Dinge, die Menschen regelmäßig brauchen: Verbrauchsmaterial, Kosmetik, kleiner Haushaltsbedarf. Stabile Nachfrage heißt aber auch viele Händler, also prüf Marge und Wettbewerb in den Suchergebnissen.

Welche Produkte haben wenige Retouren?

Produkte ohne Größen und ohne „Farbe wie auf dem Foto“, die robust sind und sich leicht bedienen lassen: Verbrauchsmaterial, Zubehör, Ersatzteile. Frag den Großhändler nach den Retourenquoten seiner Kategorien.

Quellen

  • HDE Online-Monitor 2026 (Handelsverband Deutschland, Daten IFH Köln): Onlineanteil je Branche 2025 und 2024, Veränderung des Onlineumsatzes 2024–25, Onlineumsatz 92,3 Mrd. Euro, Onlineanteil gesamt 13,5 % – einzelhandel.de.
  • Google Trends: wie die Daten im Diagramm berechnet werden (Skala 0–100) – support.google.com.
  • eBay-Hilfe: Produktrecherche im Verkäufer-Cockpit Pro – ebay.de.
  • § 355 BGB, Widerrufsrecht bei Verbraucherverträgen, Frist 14 Tage – gesetze-im-internet.de.

Geprüft am 01.11.2026. Rechnungen und Punkte im Artikel sind fiktive Beispiele.

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